Seligsprechung 1909
Heiligsprechung 1921
Patronat: Frankreich (Nationalheilige); Rouen, Orléans; der Telegraphie und des Rundfunks (wegen der Stimmen, die unsichtbar zu ihr drangen)
Johanna von Orléans wurde um das Jahr 1412 in Domrémy in Nordostfrankreich geboren. Zu dieser Zeit litt Frankreich unter dem Hundertjährigen Krieg mit England (1339–1453), der zum Großteil auf französischem Boden ausgetragen wurde und weite Landesteile in Schutt und Asche legte.
Mit 13 Jahren hörte Johanna das erste Mal »Stimmen« in ihrem Kopf, die sie zu einem frommen und sittsamen Leben anhielten. Auch der Erzengel Michael soll ihr erschienen sein.
1429, als englische Truppen schon große Teile Frankreichs besetzt hatten, forderte die »innere Stimme« das Mädchen auf, die belagerte Stadt Orléans und ganz Frankreich von den Engländern zu befreien und dem französischen Dauphin (Kronprinz) Karl VII. auf den Thron zu verhelfen. Tatsächlich gelang es Johanna, in Männerkleidung bis nach Chinon zum Dauphin vorzudringen und diesem ihre Dienste anzubieten.
Er ließ sie – vermutlich aufgrund ihrer Erzählungen von den »inneren Stimmen« – von Ärzten und Geistlichen untersuchen und teilte sie schließlich einer seiner militärischen Einheiten zu. Bewaffnet mit einem Schwert, das nach ihrer Beschreibung aus einer nahen Kirche in Fierbois geholt worden war, und einer Fahne, die weiße Lilien schmückten, zog Johanna an der Spitze der Soldaten in Richtung Orléans. Tasächlich wurde die Stadt von der Belagerung befreit, und nach ihr noch mehrere andere (Troyes, Châlons, Reims). Als der Dauphin am 17. Juli 1429 in Reims zum König gekrönt wurde, stand Johanna – zu diesem Zeitpunkt ca. 17 Jahre alt – neben ihm.
Auch in den folgenden Monaten kämpfte Johanna, die sich selbst »la Pucelle « (die Jungfrau) nannte, weiter. Beim (erfolglosen) Sturm auf Paris erlitt sie eine schwere Verwundung, und bei der Schlacht um das belagerte Compiègne geriet sie in die Hände der Burgunder, die sie an die Engländer verkauften. Von diesen wurde sie an die Richter der Inquisition weitergegeben, und unter der Leitung des Bischofs von Beauvais wurde sie am 9. Januar 1431 der Ketzerei und Zauberei angeklagt. Nach rund vier Monaten Verhören und Folter brach Johanna zusammen, gestand, was sie gestehen sollte, widerrief aber dann. Sie wurde exkommuniziert, verurteilt und am 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz von Rouen verbrannt. Ihre Asche wurde in die Seine geworfen.
Rund 20 Jahre später soll es König Karl VII. gewesen sein, der eine nachträgliche Untersuchung des Prozesses in Auftrag gab. Am 7. Juli 1456 wurde öffentlich die Unschuld der Johanna von Orléans in allen Anklagepunkten erklärt. Für das französische Volk war sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine Volksheldin und wurde als Heilige verehrt. Ihre offizielle Heiligsprechung erfolgte jedoch erst am 16. Mai 1920 durch Papst Benedikt XV.
In ihrer Geburtsstadt Domrémy erinnert ein Denkmal an sie, in Rouen steht an der Stelle ihrer Hinrichtung die 1979 erbaute Kirche Ste-Jeanne-d’Arc.
Darstellung: als junge Frau in Ritterrüstung (oft über Frauenkleidern), meist zu Pferd
Attribute: Schwert, Banner; Scheiterhaufen (wurde in Rouen zum Tode verurteilt und verbrannt)

Quelle: Herder-Verlag